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Fragmente von Blau

Fragmente von Blau

Why make so much of fragmentary blue

In here and there a bird, or butterfly,

Or flower, or wearing-stone, or open eye,

When heaven presents in sheets the solid hue?

Robert Frost, Fragmentary Blue

Über den Augenblick

Die Luft ist klar. Der Himmel leuchtet. Die Farben strahlen. Nach Tagen des schwülen Dunst, der über die Welt einen Schleier von Grau gelegt hat. Heute.

Gestern haben wir zum Abschied gemeinsam gegessen, getrunken, gelacht und gestritten.

Über die Abstraktion

Die Abstraktion von Farbe und Form ist für mich eine der Königsdisziplinen der bildenden Künste. Die Meisterschaft darin ist schwer zu erlangen, bedarf intensiver Planung und ständiger Übung. Es genügt eben nicht, in einem mehr oder minder beliebigem Prozess Farbe und Form zusammen zu führen und mit dem Attribut "Abstrakt" zu versehen. Das Gesagte gilt umso mehr, wenn die Methode der Umsetzung auf einer intuitiven Technik beruht, ob nun mittels Farbauftrag in der Malerei oder der Bewegung des Körpers während der Aufnahme in meiner aleatorischen Fotografie.

Die Idee, der Gegenstand, die Bühne, die Ikonographie von Farbe und Form sind wohl geplant in Versuch und Irrtum erprobt und es ist diese geplante Vorgehensweise, die die subjektive Prävisualisierung und intuitive  Umsetzung erst ermöglichen. Das Ergebnis ist bestimmt von dem Moment der Aleatorik und doch alles andere als zufällig oder gar beliebig.

Auch das Moment des verfügbaren Lichts ist nicht beliebig. Es Bedarf der Fähigkeit sich die möglichen Lichtverhältnisse vorstellen zu können und die Geduld darauf zu warten, bis sich diese Vorstellung in einem bestimmten Augenblick der Realität materialisiert.

Bei der Arbeit "Fragmente von Blau" habe ich vor zwei Jahren begonnen mich mit der Inszenierung des Gegenstandes und der Bühne zu beschäftigen, ohne zunächst zu wissen, wohin mich diese Beschäftigung am Ende führen wird. Genau genommen wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, was der Gegenstand und was die Bühne ist. In zahlreichen Szenarien habe ich zunächst die beiden unbestimmten Elemente von "Abdeckung" und "Himmel" in der Bewegung miteinander verbunden.

Über die innere Resonanz

Die vergangenen Monate waren für mich aus künstlerischer Sicht nicht leicht, auch wenn ich nicht von wirtschaftlicher Not betroffen bin und mein aus Biographie und Veranlagung entstandener Charakter eher leicht mit den Zumutungen der Epidemie in Einklang zu bringen ist. Es war für mich eine bemerkenswerte Erfahrung, dass mein Verlangen nach sozialer Distanz, das über Jahre als Störung in der Folge eines Traumas angesehen wurde, urplötzlich eine völlig neue Bedeutung bekam und zu einer Erfahrung wurde, die ich nun mit vielen Menschen teile. Was eine Störung ist, bestimmen die sozialen Verhältnisse.

Erst ungeduldig, dann unruhig und schließlich ratlos musste ich feststellen, dass ich keinen Bezug, geschweige den eine Idee und einen künstlerischen Ausdruck für die Situation fand. Ich sah mich gefangen in der rationalen Reflexion der Situation auf der einen Seite und der Konzentration auf die symbolischen Wahrnehmung der Reaktion meiner Umwelt auf die Situation auf der anderen Seite. Fakten, Berichte, Diskussionsbeiträge. Ich war auf der Suche nach einer Antwort, die sich aus diesem Spannungsverhältnis begründet, ohne mir bewusst zu werden, dass eine solche Antwort nicht dem subjektiven Kern meines Ausdrucks entspricht.

Meine Arbeit ist nicht intersubjektiv erfahrbar, weil sie eine Position in der mich umgebenden Wirklichkeit einnimmt. Meine Arbeit ist keine Aufforderung sich zu positionieren. Sie ist eine Einladung, in sich selbst hinein zu lauschen.